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unk
Beiträge: 31


15.06.2009 15:19
"religiöses" antworten

;)

Der folgene Text ist ein offener Brief eines US-Buergers an Laura Schlessinger. Dr Schlessinger ist eine US Radio Moderatorin, die Leuten in Ihrer Show Ratschlaege erteilt. Sie hat als achtsame Christin erklaert, dass Homosexualitaet unter keinen Umstaenden befuerwortet werden kann, da diese nach Levitikus 18,22 ein Graeuel waere.



Liebe Dr. Laura Schlessinger, vielen Dank, dass sie sich so aufopfernd bemuehen, den Menschen die Gesetze Gottes naeher zu bringen. Ich habe einiges durch Ihre Sendung gelernt und versuche, das Wissen mit so vielen wie moeglich zu teilen. Wenn etwa jemand versucht, einen homosexuellen Lebenswandel zu verteidigen, erinnere ich ihn einfach an Levitikus 18,22, wo klargestellt wird, dass es sich dabei um ein Graeuel handelt. Ende der Debatte. Ich benoetige jedoch einige Ratschlaege von Ihnen im Hinblick auf einige der spezielleren Gesetze und wie sie zu befolgen sind:

Wenn ich am Altar einen Stier als Brandopfer darbringe, weiss ich, dass dies fuer den Herrn einen lieblichen Geruch erzeugt (Lev 1,9). Das Problem sind meine Nachbarn, sie behaupten der Geruch sei nicht lieblich fuer sie. Soll ich sie niederstrecken?

Ich wuerde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in Exodus 21,7 erlaubt wird. Was waere Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis fuer sie?

Ich weiss, dass man mit keiner Frau in Kotakt treten darf, wenn sie sich im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (Lev 15,19). Das Problem ist, wie kann ich das wissen? Ich habe versucht zu fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert!

Lev. 24,44 stellt fest, dass ich Sklaven besitzen darf, sowohl maennliche als auch weibliche wenn sie von einer benachbarten Nation erworben werden. Einer meiner Freunde meinte, das wuerde auf Mexikaner zutreffen nicht aber auf Kanadier. Koennen Sie das erklaeren? Warum darf ich keine Kanadier besitzen?

Ich habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Exodus 35,2 stellt deutlich fest, dass er getoetet werden muss. Allerdings: Bin ich moralisch verpflichtet, ihn eigenhaendig zu toeten?

Ein Freund von mir meint, obwohl das Essen von Schalentieren wie Mucheln und Hummer ein Graeuel darstellt (Lev. 11,10) sei es ein geringeres Graeuel als Homosexualitaet. Dem stimme ich nicht Zu. Koennen Sie das klarstellen?

In Lev. 21,20 wird dargelegt, dass ich mich dem Altar Gottes nicht naehern darf, wenn meine Augen von einer Krankheit befallen sind. Ich muss zugeben, dass ich eine Lesebrille trage. Muss meine Sehkraft perfekt sein oder gibt es hier ein wenig Spielraum?

Die meisten meiner maennlichen Freunde lassen sich Haupt u. Barthaare schneiden inkl. der Haare ihrer Schlaefen, obwohl das eindeutig durch Lev. 19,27 verboten wird. Wie sollen sie sterben?

Ich weiss aus Lev. 11,16-18 dass das Beruehren der Haut eines toten Schweins mich unrein macht. Darf ich aber dennoch Fussball spielen wenn ich dabei Handschuhe trage?

Mein Onkiel hat einen Bauernhof. Er verstoesst dabei gegen Lev. 19,19 weil er zwei verschiedene Saaten auf ein und demselben Feld anpflanzt. Darueber hinaus traegt seine Frau Kleider, die aus zwei verschiedenen Stoffen gemacht sind (Baumwoll / Polyester). Er flucht und laester ausserdem recht oft. Ist es wirklich notwendig, dass wir den ganzen Aufwand betreiben und das ganze Dorf zusammentreiben, um sie zu steinigen (Lev. 24,10-16)? Genuegt es nicht, wenn wir sie in einer kleinen familiaeren Zeremonie verbrennen, wie man es ja auch mit Leuten macht, die mit ihren Schwiegermuettern schlafen (Lev. 20,14)?

Ich weiss, dass Sie sich mit diesen Dingen ausfuehrlich beschaeftigt haben, daher bin ich auch zuversichtlich, dass Sie uns behilflich sein koennen. Und vielen Dank nochmals dauer, dass Sie uns daran erinnern, dass Gottes Wort ewig und unabaenderlich ist.

Ihr ergebener Juenger und bewundernder Fan Jake.

"Do what you will,
You know what you should.
and if a thing is worth doing,
it's worth doing good."
(ZAP-C 1)

Hödur

15.06.2009 16:27
RE: "religiöses" antworten



ZUGABE

laurin lästerzwerg
Beiträge: 203

27.06.2009 20:46
RE: "religiöses" antworten

Reportage eines ökumenischen Fußballspiels zwischen der katholischen und der evangelischen Theologie

von Prof. Dr. Joachim Staedtke, Erlangen

Meine Damen und Herren!

Ein stahlblauer Himmel wölbt sich über dem Visser't-Hooft Stadion in Genf, das der Schauplatz des ersten ökumenischen Fußballspieles zwischen der katholischen und der evangelischen Theologie ist, und von dem ich Ihnen die letzten 30 Minuten der zweiten Halbzeit übertragen darf. Das Stadion ist ausverkauft, und ca. 60.000 Zuschauer aus allen Jahrhunderten und Erdteilen säumen das Rund. Viel Prominenz aus der Kirchengeschichte ist vertreten. Auf der Ehrentribüne an der Gegengeraden erkenne ich eine Reihe namhafter Päpste, die mit ihren Nikolausmützen ihren Hinterleuten die Sicht versperren. Alexander der Sechste hat seine Lucretia mitgebracht und schäkert da ganz unverschämt in aller Öffentlichkeit herum, sehr zum Mißfallen seiner jüngeren Nachfolger übrigens. Johannes XXIII. vertilgt riesige Mengen von Knackwürsten; der sollte lieber an seinen Kreislauf denken!

Das bunte Treiben hatte übrigens schon vor dem Stadion begonnen, wo am Eingang Schausteller aller Art so etwas wie eine Kerwa aufgezogen hatten. In einem Zeitungskiosk verkaufte Joachim Jeremias seine Landkarten von Palästina. Ernst Käsemann bot seinen 'Haut den Lukas' feil und Ernst Fuchs hatte sein hermeneutisches Liebeskarussell aus Marburg aufgestellt. In seinem stark frequentierten Wettbüro betätigte sich Joachim von Fiore als Wahrsager. Johann Tetzel verkauft Schnellwaschmittel für den geistlichen Stuhlgang. Pestallozzis Kinderkarussell ist übrigens kostenlos. Und Savonarola versuchte von seinem Hyde-Park-Corner vergeblich, die Menschen zu überzeugen, dieses schrecklich Treiben zu unterlassen.

Ja, meine Damen und Herren, es ist ein buntes Bild, auch hier im Stadion, und ich kann Ihnen die ganze Prominenz nicht aufzählen. Natürlich ist auch hier im Rund die evangelische Kirche sehr vernehmlich vertreten. Viele Lutheraner, die drüben in dem mondänen Evian unter der biblischen Losung 'Gesandt an den Genfer See' ihre Konfessionsolympiade treiben, sind herübergekommen. Wilhelm Löhe, Claus Harms und Hengstenberg schwenken ein riesiges Plakat mit der Aufschrift Verbum Lutheri manet in aeternum. Gleich daneben erkenne ich ein Plakat mit dem gereimeten Zweireiher Realpräsenz, die findt nicht statt, es bleibt doch beim significat. Das müssen unverbesserliche Zwinglianer sein. Im rechten Rondell hat sich die Bewegung ‘Kein anderes Evangelium’ formiert, die rufen mit lautstarken Sprechchören immer wieder: ‘Bultmann, Braun und Sölle, ihr kommt doch in die Hölle’. Auf der gegenüberliegenden Seite hat sich der ‘Münchner Landeskirchenrat’ versammelt. Was da oben geschieht, kann ich ihnen nur noch mit Apg 19,3s kommentieren: und sie schrien bei zween Stunden: Groß ist die Bayerische Landeskirche. Auch die Opposition fehlt nicht. Gottfried Arnold hat ein sog. unparteiisches Transparent aufgezogen, mit dem er überhaupt die Legitimität dieses Treffens bestreitet, weil der linke Flügel der Reformation für die evangelische Mannschaftsaufstellung nicht ausreichend berücksichtigt wurde.

Die Theologie der Revolution unter Führung von Harvey Cox und Richard Shaull fordert eine Veränderung der Spielregeln und die Umfunktionierung der Zuschauertribünen, die sie, da es gute und schlechte Sitzplätze gibt, für undemokratisch halten. Die Revolutionstheologen haben übrigens das ganze Stadion mit einer Flut von pamphletartigen Flugblättern überschwemmt, und Immanuel Kant hat mir noch kurz vor dem Spiel gesagt, daß nach seiner Meinung bei den Revolutionären das Problem von Raum und Zeit in das von Räumung und Zeitung transzendiert worden sei.

Auf der gegenüberliegenden Seite erkenne ich Athanasius, der für die katholische Mannschaftsaufsteilung auf der Reservebank sitzt, und der sich schon seit zwei Stunden mit einer Gruppe von Arianern über das homoousios herumstreitet.

Es hat auch häßliche Szenen hier im Stadion gegeben: Eine Gruppe von Monophysiten und Nestorianern hat sich In einem Handgemenge mit Coca-Cola-Flaschen beworfen. Irgendwelche obskuren Gnostiker haben die acht schön ausgebreiteten Teppiche des Clemens von Alexandrien in übler Weise zugerichtet. Katharina von Medici wollte ihre Bluthunde auf eine Gruppe von Hugenotten loshetzen, was aber durch Stadionsordner unter Führung von Gustav Adolf und Wilhelm von Oranien verhindert wurde.

Thomas Müntzer protestiert immer noch wider das geistlose, sanftlebende Fleisch zu Wittenberg und John Knox posaunt auch hier seine ersten Trompetenstöße wider das ungeheuerliche Weiberregiment in Schottland, was aber Maria Stuart überhaupt nicht stört. Die schäkert da oben mit ihren diversen Geliebten herum. Ja, es ist ein buntes Bild. Goethe liegt auf seinem westöstlichen Diwan und rezitiert venezianische Epigramme. Schiller, der übrigens eine Ballade über diesen Kampf der Wagen und Gesänge schreiben will, hat sich auf der Kerwa noch schnell eine Kiste fauler Äpfel besorgt.

Ruhig in diesem tobenden Kessel sind eigentlich nur die Mystiker und Pietisten. Meister Eckehardt, Tauler, Seuse, Spener und Francke sind in frommer Andacht versunken und meditieren still vor sich hin. Unten schenkt Katharina von Bora Einbecker Bier aus und neben mir erzählt Grimmelshausen schmutzige Witze aus dem 30-Jährigen Krieg. Es ist ein buntes Bild, und sie sind alle gekommen zu diesem großen Fußballfest.

Meine Damen und Herren, bevor ich Ihnen die Mannschaftsaufstellung nenne und den Spielverlauf selbst schildere, muß ich noch erwähnen, daß es eine monatelange Auseinandersetzung um die Person des Schiedsrichters gegeben hat. Wer sollte dieses große Spiel leiten?

Die evangelische Seite hatte zunächst Lessing vorgeschlagen, aber seine Person stieß bei den Katholiken auf Widerstand. Lessing sitzt jetzt übrigens auf der Ehrentribüne und diskutiert mit dem Hauptpastor Goeze über Hamburgische Dramaturgie und Orthodoxie. Die Katholiken ihrerseits kamen dann auf die etwas merkwürdige Idee, Voltaire in Vorschlag zu bringen, was wiederum den Protestanten nicht behagte. Zwischendurch hatte Gottfried Arnold im Verein mit der Theologie der Revolution in der Presse kategorisch verlangt, daß Ludwig Feuerbach oder Karl Marx das Spiel leiten sollten, aber diese Projektionen stießen bei beiden Parteien auf Ablehnung. Nach langem Hin und Her einigte man sich schließlich auf Erasmus von Rotterdam, der dann auch nach langem, langem Zögern und Zieren, wie man das ja bei ihm kennt, zugesagt hat. Meine Damen und Herren, das Spiel ist bereits 60 Minuten in Gang und es steht immer noch 0 : 0 unentschieden. Ich will Ihnen jetzt zunächst die Mannschaftsaufstellung nennen, und da ich selbst evangelisch bin, haben die Katholiken den Vorrang: die Katholiken spielen mit Papst Innozenz III. von Sportivo Laterano Rom im Tor. Mit Tertullian vom 1.FC Karthago in der linken Verteidigung, mit Irenäus von Apologeticum Lyon in der rechten Abwehrposition. Der rechte Aufbauläufer, und diese Nominierung hat eigentlich die Fachwelt etwas überrascht, ist Papst Paul VI. vom 2.FC Vaticano Rom.

Der Mittelläufer, der zugleich Libero spielt, und die Aufgabe hat, die evangelische Sturmspitze zu decken, ist Augustin von Civitas Hippo Regius, ein Mann, der auch von evangelischer Seite als einer der stärksten Spieler eingeschätzt wurde, was sich in den ersten 60 Minuten durchaus bestätigt hat. Als linker Mittelfeldspieler ist Karl Rahner vom 1. FC Innsbruck postiert und mit ihm hat in der katholischen Mannschaft der revolutionäre Nachwuchs eine Chance bekommen.

Die größte Überraschung bedeutete die Postierung des katholischen Rechtsaußen. Hier stürmt der junge Duns Scotus aus Oxford. Sie wissen, meine Damen und Herren, aus Heussis Kompendium der Kickergeschichte, daß der von den Thomisten beherrschte katholische Fußballverband Scotus wegen voluntaristischer Spielweise gesperrt hat. Gewiß ist der Doctor subtilis nicht als Sturmspitze gedacht, was sich bisher auch im Spielvetlauf bestätigt hat, aber die Katholiken wollten bei diesem wichtigen Spiel eben doch nicht auf die unnachahmlichen spätschotastischen Dribbelkünste dieses Virtuosen verzichten.

In der halbrechten Position stürmt Anselm von Ontologia Canterbury, dessen spekulative Begabung und dialektische Schärfe die konzentrierte evangelische Abwehr überbrücken soll. Absolute Sturmspitze bei den Katholiken ist natürlich Thomas von Aquin von Scholasticon Paris. In der halblinken Position Gabriel Biel von Collectorium Tübingen und als Linksaußen, ganz deutlich mit Thomas zusammen als Doppelsturmspitze gedacht, Ignatius von Loyola von der Conterreformatio Madrid, der allerdings jetzt für Sportivo Laterano Rom spielt. Das ist die katholische Mannschaftsaufstellung.

Und jetzt, meine Damen und Herren, nenne ich Ihnen die evangelishe Mannschaft. Die Protestanten spielen mit Friedrich Schleiermacher von Idealismus Berlin im Tor. In der linken Verteidigung, und diese Nominierung hat auch überrascht, mit Emil Brunner von Ratio Zürich. In der rechten Abwehrposition steht Johann Quenstedt von Justificatio Wittenberg, ein harter Abwehrspieler, wie sich bisher gezeigt hat. Im linken Mittelfeld als Aufbauspieler Nikolaus Zinzendorf von der Kickerunität Herrnhut, und der rechte Mittelfeldspieler ist Philipp Melanchthon von Justificatio Wittenberg. In der Mitte, d.h. als Libero und Doppelstopper mit der speziellen Aufgabe betreut, die katholische Sturmspitze Thomas von Aquin messerscharf zu decken, und gleichzeitig den Ausputzer vor dem protestantischen Tor zu machen, spielt Johannes Calvin von Praedestinatio Geneva. Er ist übrigens der einzige, der hier im Visser’t-Hooft-Stadion so etwas wie ein Heimspiel bestreitet.

Meine Damen und Herren, es hat in den ersten 60 Minuten herrliche Duelle zwischen Thomas und Calvin gegeben. Das waren virtuose Spielzüge im Stile der Via antiqua. Und schließlich der evangelische Sturm! Die Protestanten stürmen auf Rechtsaußen, und diese Aufstellung war nie zweifelhaft, mit-Karl Barth von Offenbarung Basel. In der halbrechten Position steht Huldreich Zwingli von Ratio Zürich. Die eigentliche Sturmspitze bei den Protestanten natürlich als Mittelstürmer Martin Luther von Justificatio Wittenberg, der als evangelischer Bomber unentbehrlich ist. In der halblinken Position stürmt Rudolf Bultmann von der 1. Existenz Marburg und ganz links außen Herbert Braun von der anthropologischen Spielvereinigung Mainz. Das ist die evangelische Mannschaft. Die beiden Trainer haben sich geeinigt, daß je ein Feldspieler ausgewechselt werden darf, aber bisher noch keinen Gebrauch davon gemacht.

Und nun zum Spielgeschehen selbst, meine Damen und Herren.

Im Mittelfeld hat gerade Erasmus einen Freistoß für die Protestanten angepfiffen. Luther stößt an, auf den rechten Flügel zu Barth, Barth dribbelt, versucht in einem unendlich qualitativen Unterschied durchzukommen, Anselm ist da und versucht, Barth ontotogisch zu stoppen. Duns Scotus dazwischen als lachender Dritter und angelt sich den Ball, dribbelt an der spätscholastischen Außenlinie, müßte jetzt Thomas anspielen, der sich in aristotelischer Entelechie freigespielt hat. Das tut er nicht, die beiden verstehen sich überhaupt sehr schlecht, man erkennt sehr deutlich, daß der leidige Universalienstreit eine differierende Spielweise dieser beiden Stürmer mitbestimmt. Duns Scotus versucht auf rechts allein durchzukommen, ist schon am evangelischen Strafraum, gefährliche Situation, der Duns hat ja völlige Willensfreiheit vor dem Tor, und jetzt ist Quenstedt dazwischen und klärt. Ja, wie der Quenstedt das gemacht hat, dieses sliding tackling war eisenharte Orthodoxie, an der selbst dieser virtuose Scholastiker scheitern mußte.

Quenstedt will abspielen, ja, zu wem? Natürlich zu Luther, zu wem denn sonst? Luther am Mittelkreis, über die Mittellinie, umspielt Thomas mit einem ocamistischen Trick, Rahner zögert, Paul VI. macht einen hilflosen Versuch, und jetzt ist Augustin da, der versucht es mit einem alten manichäischen Trick, aber Augustin, das hast du doch nicht mehr nötig, es ist doch klar, daß Luther diese dualistische Spielweise durchschaut. Luther am katholischen Strafraum, will Zwingli anspielen, der steht nicht frei, weil er von Tertullian montaistisch abgedeckt ist. Luther zu Bultmann, der sich aus der Verfügbarkeit des Irenäus freigespielt hat und jetzt in seiner Eigentlichkeit die Betroffenheit durch Luther ausnutzt. Aber Rahner ist da und stoppt mit einem geradezu kosmologischen Spielzug Bultmanns Selbstverständnis, verliert aber den Ball. Braun prescht heran, und gibt in seiner existenziellen Verwirrung eine gewaltige, aber theologisch völlig unkontrollierte Flanke hoch vor das katholische Tor, und Innozenz fängt dieses mitmenschlichte Manöver mit einem wunderschönen Transzendentalsprung aus der Luft sicher auf.

Ja, das müßte Braun wissen, mit so hohen Bällen, die bis in den theistischen Himmel reichen, sind die katholischen Metaphysiker in der Abwehr nicht zu schlagen. Abschlag vom katholischen Tor. Auf den linken Flügel. Und jetzt kommt die Gegenreformation, ich meine, der Gegenangriff. Ignatius an der Außenlinie, hat Barth umspielt, natürlich, hermeneutisches Mißverständnis, wie so oft bei Barth, jetzt kommt Melanchthon, aber dessen Locimethode ist viel zu durchsichtig, mit Gemeinplätzen ist bei Ignatius nichts zu machen. Loyola, immer noch frei, jetzt Emil Brunner, schwach, schwach, Wahrheit als Begegnung findet nicht statt, Ignatius immer noch frei, ja das sind Bilderbuchexecitien aus der Societas Jesu. Thomas ist mitgelaufen und jetzt müßte eigentlich die Flanke kommen. Nein, Zinzendorf versucht sich noch an Ignatius, aber das ein pia desideria, und jetzt flankt Ignatius auf Thomas, wunderschön, aber Calvin ist dazwischen, er hat die gegenreformatorischen Spielzüge durchschaut.

Sie wissen ja, meine Damen und Herren, daß Calvin und Ignatius von Loyola in ihrer Jugendzeit in Paris in demselben Verein gespielt haben. Aber Calvin wird jetzt von Gabriel Biel hart bedrängt, und er zieht eine Notbremse und gibt aus dem Getümmel eine gefährliche Rückgabe auf das evangelische Tor zu Schleiermacher. Da hat sich der Genfer auf seine Praedestination verlassen und Schleiermacher muß sich gewaltig strecken, fängt aber den Ball mit der unmittelbaren Reaktion seines schlechthinnigen Abhängigkeitsgefühles sicher auf. Eine herrliche Parade des evangelischen Schlußmannes, das war Sinn und Geschmack für das Unendliche. Schleiermacher stößt ab, in seinem frommen Selbstbewußtsein wie immer auf den linken, anthropologischen Flügel. Der Ball sollte zu Braun kommen, aber das Mainzelmännchen konnte im Augenblick das Woher seines Umgetriebenseins nicht verifizieren. Der Ball landet bei Gabriel Biel. Biel zu Anselm, Anselm dribbelt in dialektischer Manier, ein herrliches Monologion, wird jetzt von Barth angegriffen, aber Barth mißversteht ihn völlig, er hatte gemeint, Anselm ginge über den rechten Flügel des Offenbarungspositivismus, aber dieser Glaube hatte den Verstand nicht bei sich, fides quaerens intellectum. Anselm geht in die Mitte, wird aber dort von Melanchthon und Quenstedt eingekreist. Anselm gibt zurück zu Paul VI., ja der Ball sollte dahin kommen, aber Paul VI. war mal wieder nicht auf der Höhe seiner Zeit, wahrscheinlich dachte er wieder über die Pille nach, jedenfalls rennt der Pillenpaul mit hängender Zunge hinter dem Ball her. Der Ball geht ins Aus. Melanchthon wirft ein. Wer bietet seine beneficia an? Zwingli zu Luther, Luther dribbelt durch, am Strafraum ein herrlicher Paß in die halbrechte Position. Oh, oh, jetzt ein großes Mißverständnis zwischen Luther und Zwingli. Luther hatte gemeint, Zwingli wurde sich halbrechts freilaufen, aber der Zürcher zog nicht mit. Der Ball geht über die Torauslinie. Und jetzt gibt es noch eine heftige Diskussion zwischen den beiden evangelischen Stürmern auf dem Spielfeld.

Luther macht Zwingli anscheinend erhebliche Vorwürfe, daß er nicht vor dem katholischen Tor zum Einschuß auf diese Vorlage präsent war. Zwingli verteidigt sich, daß sein endlicher Leib schließlich nicht überall sein könne. Luther ist böse und meint, daß ein ordentlicher Stürmer mit einer anständigen Ubiquitätslehre überall auf dem Fußballfeld präsent sein könne und müsse. Ja, die sollten sich nicht streiten, das schadet nur der evangelischen Partei. Erasmus kommt dazu und macht beiden klar, daß mit einer humanistjschen Willensfreiheit solche scholastische Querelen gegenstandslos werden. Innozenz schlägt ab. Der Ball war für Ignatius gedacht, landet aber bei Bultmann. Bultmann zu Braun, ein wunderbarer anthropologischer Flachpaß, horizontal und immanent geschossen, und Braun nimmt in existenzialem Selbstverständnis diese Betroffenheit von seinem Mitmenschen auf, wird von Karl Rahner bedrängt, umspielt ihn aber, ist jetzt allein am Strafraum, gefährlich, gefährlich, die Situation impliziert das Eschaton, und letzte Station ist Irenäus - und Irenäus zieht die Notbremse, jawohl, eindeutiges Foul von Irenäus an Braun. Irenäus meinte bei Braun wohl wieder einen Gnostiker vor sich zu haben, aber dieser apologetischen Methoden sollte er sich dennoch nicht bedienen. Also Freistoß. Diese Entscheidung von Erasmus ist absolut richtig. 15 m vorm katholischen Tor. Das übliche Theater, die Katholiken gehen nicht 9,15m vom evangelischen Ball, das müßten sie doch eigentlich seit dem Augsburger Religionsfrieden wissen. Duns Scotus diskutiert noch mit Erasmus, wie er das das ganze Spiel hindurch getan hatte; der zieht sich noch eine Verwarnung zu! Die katholische Mauer formiert sich. Wer führt aus? Offensichtlich Karl Barth. Erasmus gibt den Ball frei. Barth läuft an, schießt auf Luther, Kopfstoß und - Tor! Keine Chance für Innozenz III. Ein herrliches Tor. Luther stand goldrichtig frei und konnte ungehindert einschieben. Unbegreiflich, warum die Katholiken in solcher Situation den evangelischen Mittelstürmer nicht messerscharf abgedeckt haben? Und jetzt sehe ich auf der Gegengeraden, daß der Eck aus Ingolstadt zum Trainer läuft und lamentiert da sicher. Das wußten wir schon aus der Presse. Eck hatte schon vor dem Spiel in zahlreichen Eingaben den katholischen Fußballverband darauf aufmerksam gemacht, daß die Hauptaufgabe der apotogetischen Abwehr sein müsse, Luther in energischer Manndeckung abzuschirmen. Offensichtlich sind diese Warnungen in Rom nicht ernst genommen worden.

Anstoß am Mittelkreis. Thomas zu Biel, Biel in spätscholastischer Manier zu Ignatius, Ignatius in die Mitte zu Thomas, aber Calvin ist dazwischen, da kommt Thomas mit seiner Via antiqua nicht durch. Dennoch bleiben die Katholiken im Ballbesitz. Duns Scotus will zu Paul VI. abgeben, aber der ist wieder nicht auf dem Posten, eine ausgesprochene Fehlbesetzung, dieser Pillenpaul. Stattdessen hat sich Augustin den Ball geangelt, in einem phantastischen Sololauf durch das Mittelalter und die Reformation kommt Augustin bis an den evangelischen Strafraum. Er flankt jetzt auf Thomas, der mitgelaufen ist, und Thomas schießt. Ja, das war potentia absoluta, und Calvin hatte nicht aufgepaßt. Mit einer sagenhaften Parade, in einem schlechthinnigen Hechtsprung ist Schleiermacher niedergefahren zur Sölle, ich meine, anthropologische getaucht und hat den Ball sicher.

Ja, und jetzt wechseln die Katholiken aus. Paul VI. muß das Spielfeld verlassen. Eine absolut richtige Entscheidung des Trainers. Wer kommt herein? Ist es Athanasius? Nein, ich sehe, daß sich Wilhelm von Occam vom T.S.V. München 1330 an der scholastischen Außenlinie warmgelaufen hat. Die Entscheidung des Trainers, Occam statt Athanasius einzusetzen, geht ganz sicher auf die begründete Erwartung zurück, daß es allein diesem Nominalisten gelingen wird, die spätoccamistischen Spielzüge Luthers zu durchschauen und abzustoppen.

Abwurf Schleiermachers nach links, sollte auf Braun kommen, aber Bultmann angelt sich das Leder, zögert, will Ruhe in das Spiel bringen und die Situation entmythotogisieren, flankt auf Zwingli, mit dem er sich in der Sakramentslehre so gut versteht, Zwingli verlängert den sakramentalen Schuß auf Barth, Barth steht frei, jawohl, Barth hat Freiheit als solche, und rast in einem trinitarischen Dreischritt bis in die alte Kirche zu Tertullian. Ein qualifizierter Augenblick als solcher, aber Barth wird bedrängt und Thomas gelingt es, mit einem Spieltrick der analogia entis den unendlichen qualitativen Unterschied wieder zu decken. Thomas zu Ignatius, Loyola in einem seiner sagenhaften Sololäufe bis an den evangelischen Strafraum, will flanken, aber die katholischen Stürmer sind nicht so schnell mitgekommen. Anselm unterhält sich noch mit Karl Barth über den ontologischen Gottesbeweis und Thomas streitet sich mit Emil Brunner über die Natürliche Theologie. Jetzt kommt Biel, Ignatius flankt, abgewehrt von Calvin, aber der Ball springt direkt Thomas vor die Füße, der umspielt Brunner und zielt, Schuß und – Tor! Ja, das war ein actus purus, ein actus purissimus. Es kam hinzu, daß Schleiermacher getäuscht worden war, Melanchthon hatte dem Berliner Analytiker mit seiner Locimethode die Sicht versperrt, und so war der Schlußmann genau ins verkehrte Eck gelaufen. Obwohl Quenstedt noch mit einem metaphysischen Kopfstoß auf der Linie zu retten versuchte, schlug der Ball unhaltbar unter der Latte ins evangelische Netz ein. Mannschaftskapitän Luther reklamiert Abseits bei Erasmus, aber das glaubt er ja selbst nicht. Na ja, er hat eben auch einen unfreien Willen, wofür Erasmus überhaupt kein Verständnis hat.

Ja, und jetzt wechseln auch die Protestanten aus. Emil Brunner muß vom Feld. Auch dies eine richtige Entscheidung. Brunner hatte mit seinem ewigen Schwanken zwischen Natur und Gnade krasse Abwehrfehler begangen und gerade mit seinem letzten Fehlpaß der von der Mystik zum Wort kommen sollte, hat er Schleiermacher schlecht bedient. Wer kommt herein? Auf der Reservebank sehe ich Brunners Vereinskameraden Gerhard Ebeling. Ja, da wird sicher bedeutendes Geschehen zur Sprache kommen. Ebeling kennt Gesetz und Wirklichkeit in dem radikalen Fragehorizont dieses Stadions, wenn er auch wegen seiner endlosen Fummeleien in der Wirklichkeit selten zu einem überzeugenden Abschluß kommt.

Nein, meine Damen und Herren, ich habe mich geirrt, es ist gar nicht Gerhard Ebeling, der hereinkommt, sondern Ebelings früherer Vereinskamerad Jürgen Moltmann von der letzten Eschatologie in Tübingen. Der soll hier in diesem Spiel wohl noch die Äonenwende bringen. Ich muß Ihnen ehrlich sagen, meine Damen und Herren, daß ich es für ein Wagnis halte, Moltmann in der linken Abwehrposition spielen zu lassen. Er ist zwar gefürchtet, weil er in einem rasanten Amoklauf alles nach vorn werfen und vor der eschatologischen Torlinie geradezu apokalyptische Veränderungen antizipieren kann, aber jedesmal dann hat er hinten seine christologische Deckung nicht in Ordnung. Aber ich will jetzt keine Verheißung abgeben, es bleibt beim Prinzip Hoffgnung, und wir werden sehen, wie Moltmann in diesem großen Konzert seine utopische Blochflöte spielen wird.

Noch einmal Anstoß, Luther zu Bultmann, Bultmann in unverfügbarer Eigentlichkeit zu Barth, Barth zurück zu Moltmann, der ganz Andere zu dem ganz Ändernden, ist das möglich, Barth zu Pop-Barth, der aus der Ungefundenheit seiner Situation jetzt den Widerspruch zur Wirklichkeit eintritt. Und er versucht es alleine. Wir wollen es alle hoffen: Spes quaerens intellectum. Und er erntet brausenden Beifall, wie er am linken Flügel in einem apokalyptischen Exodus durchgeht. Wird aber jetzt angegriffen, und der intellectus folgt der spes nicht. Parmenides ist da. Ich meine, Thomas von Aquin greift ihn an, Zweikampf zwischen dem ewigen Sein und der ewigen Geschichte. Aber diese Heilsgeschichte ist hier erst einmal zuende. Thomas hat den Ball, zu Occam. Ja, das ist reinster Nominalismus, meisterhaft wird Luther umspielt, ausgereifte via moderna ist das, aber Occam scheitert an Calvin. Das war wieder ein Lehrstück der Via antiqua Institutio christianae pedepelensis. Erstaunlich auch das enorme Arbeitsquantum und das Durchhaltevermögen von Calvin. Da merkt man etwas von der perseverantia sanctorum. Dies sind die letzt Spielzüge. Calvin zu Luther, Luther zu Barth. Barth macht seinen letzten Versuch, Bultmann zu verstehen. Und Bultmann schießt seinen letzten anthropologischen Flachpaß in das seiende Dasein. Und da pfeift Erasmus das Spiel ab.

In einem fairen und ausgeglichenen Spiel trennen sich die evangelische und katholische Theologie im Visser’t-Hooft-Stadion in Genf mit einem 1:1 durch Tore von Martin Luther und Thomas von Aquin unentschieden. Ich schalte wieder zurück auf die langen Leitungen der Kirchen.

kratze am christen und du findest den heiden....verdorben!

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